113. Auktion
8.11.2025
Lot 152
Benjamin SideyChinese Market
Spektakuläres Londoner Taschenuhrenpaar in prächtigen, nahezu allen Teilen mit Edelsteinen besetzten Übergehäusen. Das Paar wurde für den chinesischen Markt hergestellt und wird mit korrespondierenden Chatelaines angeboten
Die sich völlig gleichenden Übergehäuse sind aus Silber gefertigt und vollflächig mit roten Spinellen (ca. 8,50ct), große gelb/weiße Topasen und synthetischen grünen Glassteinchen besetzt. Die beiden inneren Goldgehäuse sind glatt, die Spindelwerke sind feuervergoldet und verfügen über schöne englische Unruhkloben. Die beiden ebenfalls identischen Chatelaines sind feuervergoldet.
Alle Werksteile, Zifferblätter, Zeiger und inneren Gehäuse sind identisch.
Als Uhrmacher kommt wahrscheinlich der Londoner Uhrmacher Benjamin Sidey junior (ca. 1711-ca.1797) in Frage, der bis zum Tode seines Vaters Benjamin Sidey senior (ca. 1685-ca. 1790) seine Uhren mit dem Zusatz "jun." versah.
Das kaiserliche China erlebte im 18. Jahrhundert seine Blütezeit. Neben dem vermögenden Kaiserpaar konnten sich auch wohlhabende Kaufleute und Beamte teure Luxuswaren leisten. Zu den erworbenen Objekten zählten beispielsweise Uhren, die entweder zur Ergänzung der eigenen Sammlung oder als kostbares Geschenk für den Kaiser dienten. In Europa erkannte man die aufkeimende Finanzkraft der chinesischen Gesellschaft und begann, neben dem Export aufwändig gefertigter Uhren, Schweizer Dependancen direkt in China zu eröffnen. Der wachsende Handel mit China hat mehrere Legenden hervorgebracht, darunter die, dass es Edouard Bovet (ab 1825 der erste der Bovets; er war als Vertreter einer englischen Firma von London nach China gereist) war, der die Chinesen davon überzeugte, immer ein Paar identischer Uhren zu kaufen, um ihrem Hang zur Symmetrie und ihrer Liebe zur "doppelten Existenz" gerecht zu werden. Dieses Ideal bezieht sich auf das paarweise Dasein als Sinnbild kosmischer Ganzheit. Tatsächlich wurden Uhren bereits im 18. Jahrhundert paarweise zum Verkauf angeboten, jedoch erwarben die Chinesen in der Regel nur eine Uhr und trugen ohnehin nie mehr als eine am Gürtel. Sammler bevorzugten es, die Zwillingsuhren in einem Etui aufzubewahren oder sie paarweise an den Wänden ihrer Wohnungen aufzuhängen. Die reich verzierten Uhrengehäuse wiesen stets markante Dekore auf. Die Uhren aus britischer Manufaktur waren symmetrisch angeordnet, die Schweizer Uhren asymmetrisch.