113. Auktion
8.11.2025
Lot 176
Bovet à Fleurier
Dekorative, mit Halbperlen besetzte Email-Taschenuhr mit Zentralsekunde für den chinesischen Markt - "Sommerblumenbouquet"
Verkauft
Das feinst bemalte Emailmedaillon auf der Rückseite ist von höchster Qualität und zeigt eine filigrane Blumenkomposition aus Astern, Prunkwinden, Mohnblüten und anderen Sommerblumen auf zart grünem Grund. Die Lunetten auf beiden Seiten sind mit Halbperlen besetzt, ebenso der Pendant und Bügel. Ein originaler Aufzugsschlüssel mit chinesischer Beschriftung ist Teil des Loses.
Zu den renommierten europäischen Taschenuhrenherstellern, die Uhren für den chinesischen Markt produzierten, zählten die Unternehmen Ilbery in London sowie Bovet und Vaucher aus Fleurier. Sie verfügten über Dependancen in China und importierten die Uhrwerke, wie auch dieses hier, sowie die dafür hergestellten hochwertigen Emailarbeiten direkt aus der Schweiz nach China. Die reich verzierten Uhrengehäuse waren stets mit markanten Dekoren versehen, wobei die meisten Motive aus der Natur stammten. Auch heute, 200 Jahre nach ihrer Entstehung, sind sie von höchster Attraktivität und werden von Sammlern hoch geschätzt. Nur wenige dieser Emailarbeiten haben die Jahre unbeschadet überstanden, so dass eine Uhr im unberührten Originalzustand wie die hier angebotene ein besonders wertvolles Exemplar darstellt.
Edouard Bovet wurde 1797 als Sohn des örtlichen Uhrmachermeisters Jean-Frédéric Bovet in Fleurier in der Schweiz geboren. Edouard Bovet hatte vier Brüder - Frédéric, Alphonse, Gustave und Charles-Henri - sowie eine Schwester, Caroline. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft im Jahr 1814 spricht sich Bovet gegen die Rückkehr Neuchatels unter preußische Herrschaft aus. Nach Abschluss seiner Lehrzeit verlässt er Fleurier gemeinsam mit den Brüdern Alphonse und Frédéric, um als Uhrmacher in London zu arbeiten. London war zu dieser Zeit das Zentrum der europäischen Uhrmacherei und des Handels. Im Jahr 1818 wurde er von seinem Arbeitgeber, der Firma Magniac, nach Kanton entsandt, dem einzigen Hafen in China, in dem Ausländer Handel treiben durften. Er verließ England am 20. April auf dem Handelsschiff Orwell der Britischen Ostindien-Kompanie und erreichte Kanton über das Kap der guten Hoffnung am 16. August. Bovet zeigte sich vom Absatzpotenzial in Kanton überzeugt und bat seinen Bruder in der Schweiz per Brief um die Lieferung weiterer Uhren höchster Qualität. Er wies darauf hin, dass die Nachfrage auf solche Uhren ausgerichtet sei und der Preis ohne Widerspruch gezahlt werde. Im Jahr 1822 gründete Bovet, der zu dieser Zeit bereits in Kanton lebte, in Partnerschaft mit seinen beiden Brüdern Alphonse und Frédéric in London und dem Bruder Gustave, der als Uhrmacher in Fleurier tätig war, eine Gesellschaft zum Handel von Uhren mit China. Die Gründungsurkunde der Firma wurde am 1. Mai in London ausgestellt. Aufgrund des schnellen Wachstums wurde die Produktion nach Fleurier verlegt.