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189
Katalog Nr. 189
Schätzpreis  350.000 - 750.000 €
Dies ist eine Losnummer aus einer früheren Auktion!

John Rich

, London/Genf zugeschrieben 105 x 63 x 46 mm, 639 g, datiert 1804

Museale, bedeutende und einzigartige, mit Halbperlen besetzte Goldemail Musikspieldose "Das Orchester" mit Automat und Carillon Musikspielwerk auf Glocken und Vibrationsblättern - mit originaler, mit Seide ausgeschlagener Saffianleder Schatulle


Geh.: 18Kt Gold und Email. Rechteckige, schwere Dose mit abgeschrägten Ecken, allseitig mit horizontalen Wellen und diagonalen Verästelungen guillochiert und transluzid kobaltblau emailliert, sowie zusätzlich mit vertikal verlaufenden Schlangenlinien opak schwarz dekoriert. Mit Halbperlen besetzter Deckel, im Zentrum eine rechteckige Emailplakette mit floraler Goldbordüre, inmitten eines schmalen, blau emaillierten und umschließenden, profilierten Goldrahmens. Hochfeine, polychrome Bemalung in der Manier Jean-Francois-Victor Duponts: en plein Darstellung eines Bacchanals, mit einem flötespielenden, nackten Jüngling und zwei nur mit einem Tuch bekleideten, zur Musik tanzenden Nymphen auf einer Lichtung. Rechts ein geflügelter Amor, der mit seinem Liebespfeil und gespanntem Bogen auf die zwei tanzenden Schönheiten zielt. Im Hintergrund Laubbäume und ein Berg vor blauem Himmel. Die Seitenrahmung des Deckels mit einer herzförmigen, opak hellblauen Champlevé-Bordüre. Auf den abgeschrägten Ecken goldene Ranken und opak hellblaue Champlevé Emailblüten auf schwarzem Grund. Die Seitenteile und der Boden mit gravierten floralen Bordüren, welche auf den Seitenteilen partiell opak schwarz emailliert sind. Im Inneren klassische Automaten Orchesterszene, aufwändig graviert und polychrom emailliert: Architektonischer Bühnenaufbau mit geöffnetem Theatervorhang und flankierenden Bodenvasen vor hellblau und gold gestreiftem Hintergrund. Im Zentrum reliefierter Dreiecksgiebel im Empire-Stil, darunter vier musizierende, plastisch gearbeitete Figuren: links ein Dirigent mit beweglichem Arm, daneben ein sitzender Sänger, der im Takt seinen Fuß bewegt. Im Zentrum eine spinettspielende Musikerin mit beweglichem Kopf und Armen, deren Spielen man besonders in der Deckelspiegelung verfolgen kann. Rechts eine Harfinistin mit beweglichem Arm.
Musikspielwerk und Automatenwerk : hoch komplexes Messingwerk, vergoldet, Kette/Schnecke, Stiftenwalze mit 40 Vibrationsblättern in zwei Ebenen, acht koaxiale Glocken mit acht Elfenbeinhämmerchen, Aufzugsfeder mit Kratzsignatur "Carrisol" und Datum 1804/12".

Die Saffianlederschatulle birgt im Deckel eine Inschrift:
"Mr. Duncan Camber (Zed. turned(?)) lined Block + Silver clamps at Corner p. £ 2 Keys".

John Rich
John Rich war zweifellos eine rätselhafte und schillernde Gestalt. Einige seiner Werke sind so außergewöhnlich, dass man erwarten würde eine Fülle von Informationen über ihren Schöpfer zu finden - dies ist jedoch keineswegs der Fall. Höchst komplizierte Automaten wie z.B. die sogenannte "Zauberbox" oder das "Sandoz-Parfumfläschchen" sind von Rich signiert. Alfred Chapuis und Edmond Droz, beides Autoritäten auf dem Gebiet der Automaten, haben die Zauberbox als die "außergewöhnlichste Schnupftabakdose die uns bekannt ist" beschrieben. Die Signatur "Made by John Rich" ist auf dem Federhaus angebracht, so dass die Box in ihre Einzelteile zerlegt werden muß, damit die Signatur zu sehen ist. Einige Boxen die untersucht oder restauriert wurden, sind mit "John Rich, London" oder "John Rich, London & Genève", signiert, wohingegen andere technisch identische Stücke keinerlei Signatur tragen. Das Gleiche gilt auch für Richs Uhren; sie sind oftmals unsigniert oder die Signatur ist so versteckt angebracht, dass sie nur von demjenigen gefunden werden kann, der die Uhr auseinander nimmt. Natürlich signierten einige der bekanntesten Automatenhersteller ihre Werke nicht an prominenter Stelle, aber sie waren sehr bekannt und die vorhandene Information über diese Meister ist reichhaltig. Für John Rich gilt dies nicht; man nimmt an, dass er aus England stammte und ein Geschäft in Genf eröffnete. Auch zeigen seine Werke gewisse Ähnlichkeiten mit denen von Jaquet Droz und Leschot, was zu der Annahme führt, dass sie von einem oder mehreren Meistern gefertigt wurden, der mit ihnen zusammenarbeitete. Richs Werke können auf die Zeit ab 1780 bis in die ersten Jahre des 19. Jhdts. datiert werden, etwa bis zum Jahr 1805; dies bedeutet, dass John Rich nach gut einem Vierteljahrhundert zwar eine Vielzahl von herrlichen Automaten hinterlassen hat, jedoch neben diesen Werken kaum Informationen über sich und sein Leben. Die wunderbare Fülle seiner Werke und das Dunkel, das über Leben und Person diese außergewöhnlichen Mannes liegt, bilden zusammen ein faszinierendes Geheimnis, das geradezu danach ruft studiert und erforscht zu werden.
Quelle: Osvalso Patrizzi "Dictionnaire des Horlogers Genevois", Genf 1998, S. 342.

Jean Carrisol war ein auf Uhrfedern spezialisierter Uhrmacher zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Genf.

Die Kunst der Automatenherstellung in Genf
Um 1780 entfaltete sich in Genf eines der faszinierendsten Kapitel in der Geschichte der Uhrmacherei: man begann, mit ungeheurer Kunstfertigkeit Automaten herzustellen - Maschinen, die die Bewegungen von lebenden Geschöpfen nachahmen sollten. Die Palette reichte hierbei von den einfachsten Momenten, in denen z.B. eine Gestalt mit ihrem Arm auf die Zeit deutete, bis zu komplexen originalgetreuen Darstellungen wie ländlichen Szenen, Theaterstücken oder Konzerten. Die Automaten wurden schnell für eine Vielzahl von Konstruktionen aller Art eingesetzt - sie "belebten" Parfümflaschen, Amphoren, Spiegel und Schnupftabaksdosen. Der Nutzen dieser exquisiten Stücke als Uhr war oft nur nebensächlich. Und da Leben auch immer Geräusch mit sich bringt, wurden die Automaten zusätzlich noch mit Musikspielwerken versehen. Die anerkannten Meister dieser extravaganten Symbiose von Schmuckuhren und Automaten waren unter anderem Pierre Morand, Henry Capt, Isaac Daniel Piguet und Philippe Samuel Meylan sowie die Genfer Werkstatt von Jaquet-Droz mit seinen Kollegen und Nachfolgern Jean-Frédéric Leschot und Jacob Frisard. Alle waren sie geniale Hersteller von Uhren mit Musikspielwerken, die zuerst mit Glocken spielten und später die Melodien dadurch hervorbrachten, dass ein Tonkamm durch einen Zylinder oder eine Stiftwalze zum Schwingen gebracht wurde. Diese Uhren waren hauptsächlich in den östlichen Märkten sehr beliebt und erhielten so während der Zeit des Handels mit der Türkei und China eine ausgefallene exotische Note, die den besonderen Charme dieser Stücke ausmachte und die es uns heute leicht macht sie zu erkennen. Die Familie Rochat und die Werkstatt Bruguier hielten diese Tradition bis circa 1850 aufrecht.
Quelle: La Tribune des Arts présente en exclusivité le Patek Philippe Museum, http://www.patekmuseum.com/‌, Stand 07.10.2011
#40835
Geh.:
Werk: sehr gut, gangfähig


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