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Katalog Nr. 402
Katalog Nr. 402
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Blanc Fils Palais Royal, Paris, 290 x 290 x 10 mm

, circa 1810

Bedeutende Directoire "Pendule Au Bon Sauvage" aus vergoldeter und patinierter Bronze mit Halbstunden/Stundenschlag "Der Kaffeebohnensammler - Allegorie des Fleißes"


Geh.: Bronze, feuervergoldet und patiniert, achteckiger Sockel mit reliefierter figürlicher Darstellung, Kugelfüße. Ziffbl.: Email. Werk: rundes Messing-Vollplatinenwerk, 1 Hammer / 1 Glocke, Hakenhemmung, Schlossscheibe, Fadenaufhängung.

Auf einem achteckigen Sockel mit reliefierten Darstellungen zweier Männer bei der Feldarbeit und seitlichen Abbildungen zweier Bienen, erhebt sich die dunkel patinierte Figur eines Mannes. Aus einem geschulterten Sack leert er Kaffeebohnen in ein großes Fass, das von einem exotischen Baum mit grün patinierten Blättern flankiert wird.

Eine nahezu identische Pendule ist abgebildet und beschrieben in Elke Niehüser, "Die Französische Bronzeuhr", München 1997, Seite 156.

Brian Loomes führt auf Seite 78 Blanc Fils in Paris, Palais Royal in der Zeit zwischen 1807 und 1825 auf.

Die Faszination für alles Exotische war in Europa während des 18. und bis weit in das 19. Jahrhundert weit verbreitet. Mehrere Entwicklungen dieser Zeit trugen zu ihrer lang anhaltenden Popularität bei. Eine wichtige Rolle hierbei spielten die philosophischen Schriften Jean-Jacques Rousseaus und die literarischen Werke "Paul et Virginie" von Bernardin de Saint-Pierre, "Atala" von Chateaubriand und natürlich "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe, in denen der Mythos des "Au bon Sauvage" (Edlen Wilden) entwickelt wurde. Auch Reiseberichte der Entdecker und Eroberer fremder Kontinente, wie beispielweise James Cook, begründeten die Vorstellung des von der Zivilisation unberührten, unverdorbenen Menschen und inspirierten die Künstler der damaligen Zeit.
Am Ende des Ancien Régime, in den letzten zehn Jahren des 18. Jahrhunderts, wurden die ersten Uhrenmodelle geschaffen, die das idealisierte Bild des Edlen Wilden und des verlorenen Paradieses aufgreifen. Das Thema wird in etwa dreißig Modellen und fast ebenso vielen Varianten verarbeitet. Für die Bronzegießer der damaligen Zeit eine wunderbare Möglichkeit mit dem Kontrast der dunklen und hellen Oberflächenpatinas (dunkel für die Haut und goldfarben für die Accessoires) zu arbeiten. Der bedeutendste Meister dieser Bronzearbeiten ist Jean Simon Deverberie (1764-1824).
Heutige Betrachter reagieren auf diese Pendulen gleichermaßen fasziniert wie irritiert. Einerseits überzeugt die Qualität und die Exotik, andererseits ist man zurückhaltend und unsicher, da eine mögliche Diskriminierung dahinter vermutet werden könnte. Letztendlich sind sie ein sehnsuchtsvoller Ausdruck der Gesellschaft zur Zeit der Aufklärung, geprägt von der Suche nach Harmonie und Freiheit.
#51135
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut, kleine Abplatzung
Werk: sehr gut, gangfähig

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