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65
Katalog Nr. 65
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Schätzpreis  4.000 - 10.000 €
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Friedrich Gutkaes / Bernhard Gutkaes, Dresden

, Geh. Nr. 1862/1564, 46 mm, 63 g, circa 1854/55

Frühe, historisch bedeutende Glashütter Taschenuhr


Geh.: Silber. Ziffbl.: Email. Werk: 1/2-Platinenwerk, Schrauben-Komp.-Unruh.

Diese Uhr stammt aus der Fertigung von A. Lange um 1854/55. Die Höhe der Seriennummer des Werkes und des Gehäuses weisen auf dieses Zeitfenster hin. Dies lässt sich auch an Hand der konstruktiven Details, wie Ausführung des Gesperrs, Lage des Spiralklötzchens am
Unruhkloben und Ausführung des Ankers im Vergleich mit weiteren Uhren aus dieser Fertigungszeit feststellen.
Die Signatur Fr. Gutkaes wurde offensichtlich auf Wunsch von Bernhard Gutkaes auf der Platine angebracht. Bernhard Gutkaes führte ja das ehemals mit Adolph Lange gemeinsam geführte Geschäft in Dresden inzwischen allein weiter und bestellte bei Lange Uhren zum Weiterverkauf.
Eine Beteiligung an der Firma in Glashütte bestand jedoch zu keiner Zeit, wie dies A. Lange ausdrücklich in einem seiner Briefe erwähnt. Berhard Gutkaes hatte lediglich die Bürgschaft für den Kredit der Staatsregierung übernommen weil sein Vater 1845 zwischenzeitlich verstorben war. Aus dieser Verpflichtung wurde er jedoch Anfang 1852 entlassen.
Quelle: Jürgen Peter

Weiterführende Literatur zu diesem Thema:
"Die ersten 25 Jahre Glashütter Uhrenindustrie 1845 –1870" von Jürgen Peter, Dresden, 2020.

Johann Christian Friedrich Gutkaes wird am 16. Juni 1785 in Dresden geboren. Allein die Auswahl seiner Taufpaten zeigt schon die Verbindung der Gutkaes-Familie zum Dresdner Schloss. Außerdem war bereits der Großvater Friedrichs, Johann Christian Gutkaese (1682-1757) "Mundkoch" in der königlichen Küche Augusts des Starken; der Vater, ebenfalls Johann Christian (1753-1835), war "geheimer Canzlist" des Kurfürsten Friedrich August III.
Laut Karl J. Langer gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wo Gutkaes das Uhrmacherhandwerk erlernt hat; dass er nicht in Dresden in die Lehre gegangen ist, geht daraus hervor, dass sich im "Innungsbuch für die Kleinuhrmacher" in Dresden kein entsprechender Eintrag befindet.
Angeregt durch seinen späteren Arbeitgeber Johann Friedrich Schumann (ca. 1759-1817) und dessen Kontakt mit dem Mathematisch- Physikalischen Salon entwickelt Gutkaes ein reges Interesse an Sternenkunde und Mathematik.
Am 21. September 1815 heiratet er die Tochter Schumanns, Friederica Charlotte und erwirbt gute zwei Wochen später das Meisterrecht der Kleinuhrmacher in Dresden. Danach betreibt er ein gut gehendes Uhrengeschäft Ecke Schlossstraße und Rosmaringasse, aber seine Neigung zur Astronomie läßt ihn besonders auf dem Gebiet der Präzisionsuhren tätig werden und die relativ vielen von ihm erhaltenen Stücke zeigen seine Meisterschaft auf diesem Gebiet. Seit 1831 ist er zweiter Mechaniker am Mathematisch-Physikalischen Salon und wartet gemeinsam mit dem ersten Mechaniker Blochmann die für die astronomische Zeitmessung und damit für den Dresdener Zeitdienst erforderlichen Uhren und Geräte. Und er baut sie zum Teil selbst:
So z.B. für den Leiter des Instituts, W. G. Lohrmann, eine astronomische Präzisionspendeluhr und auf dessen Empfehlung hin eine selbe für Professor Bessel von der Königsberger Sternwarte; diese Großuhren stellt er in seiner Werkstatt in der Wilsdruffer Gasse her, ebenso, wie die berühmte, nach seinen eigenen Ideen gebaute, heute noch existierende 5-Minuten-Digitaluhr in der Semper-Oper, die schon bei der Eröffnung derselben eine kleine Sensation war.
1842 wird er aufgrund seiner Leistungen Hofuhrmacher und erhält als solcher freie Wohnung auf dem Schlossturm, wo er auch noch als Türmer fungiert und für den Gang der Schlossturmuhr und damit für die Zeitangabe in Dresden verantwortlich ist. Im selben Jahr wählt man ihn zum Oberältesten der Dresdner Kleinuhrmacherinnung.
Unter seinen Lehrlingen findet man bekannte, um nicht zu sagen, berühmte Namen :
Vom 20.10.1830 an bildet er zusätzlich zu seinem ältesten Sohn Otto auch noch Ferdinand Adolph Lange aus. 1832 folgt sein zweiter Sohn und 1834 Moritz Krille, später Nachfolger von Kessels in Altona. Auch die beiden französischen Chronometermacher Victor Gannery und B. Scharf haben Lehrzeit bei Gutkaes verbracht. Der als Lehrling aufgenommene Adolph Schneider wird in Gutkaes' Werkstatt bereits von Ferdinand Adolph Lange ausgebildet.
Ferdinand Adolph Lange und Adolph Schneider heiraten je eine Tochter von Gutkaes. 1844 stellen Gutkaes und Lange auf der Dresdner Gewerbeausstellung bereits gemeinsam zwei astronomische Pendeluhren mit Kugelhemmung, einen Sekundenzähler und einen runden Mikrometer aus, der 1/100 mm messen kann.
Am 8. August 1845 stirbt Johann Christian Friedrich Gutkaes in Dresden, gerade 60 Jahre alt.
#52390
Geh.: sehr gut, Tragespuren
Ziff.: gut, Haarrisse
Werk: sehr gut, gangfähig, Reinigung empfohlen

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