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Auktionen Dr. Crott 88. Auktion

356 Frédérique Maillart, Sisteron, 81 mm, datiert 1973  Seltene Bronzemedaille zum Gedenken an Christian Huygens (1629- 1695) A rare bronze commemorative medal for Christian Huygens (1629- 1695) Frédérique Maillart, Sisteron — 罕見的銅幣, 為Christian Huygens (1629 - 1695)的紀念幣 37572  G/C: 2  100 - 200 EUR 200 - 300 USD 1.100 - 2.200 HKD 357* Christiaan Huygens, Den Haag DIE LÄNGENGRAD UHR MIT “BALANCIER MARIN PARFAIT” (BMP) / “PERFEKTER MARINE-UNRUH”, circa 1685 Bei dieser Uhr handelt es sich um die früheste bekannte Uhr zur Bestimmung des Längengrades. Ihre historische und horologische Bedeutung läßt sich wie folgt zusammenfassen: – es handelt sich um die früheste noch existierende Längengraduhr, die wir kennen – ihre Mechanik inspirierte Harrison und trug höchstwahrscheinlich zu seiner mit 20.000 Pfund dotierten Auszeichnung für die berühmte H41  durch das English Board of Longitude bei – es handelt sich um die einzige noch erhaltene Längengraduhr von Huygens – sie stellt den Höhepunkt von Huygens schöpferischem Leben dar – es ist die früheste noch erhaltene Uhr mit einer versuchsweisen reibungsarmen Hemmung – es ist die früheste noch erhaltene Uhr mit Zeitgleichung (Äquation) – es ist die früheste bekannte Uhr mit reibungsarmer Lagerung im Räderwerk (Rollenlager) – es ist die früheste oder eine der frühesten bekannten europäischen Uhren mit konstanter Kraft EINLEITUNG In der modernen Fachliteratur wird diese Uhr lediglich einmal kurz von John Leopold während seiner Rede beim Longitude Symposium in Harvard 1993 erwähnt: …im März 1695 baute Huygens eine bereits vorhandene Uhr (mit Zeitgleichung) mit der neuen Unruh um, aber Einzelheiten hierzu sind uns nicht bekannt. … Eine Beschreibung der neuen Uhr, die er kurz vor seinem Tod angekündigt hatte, wurde nie veröffentlicht.2 Leopold begründet seine Schlußfolgerung mit dem letzten erhaltenen Brief von Huygens3 an seinen einzigen Bruder vom März 1695, in dem er über den Umbau einer existierenden, drei Fuß großen Pendeluhr mit Zeitgleichung für seine neue Erfindung berichtet. Huygens verarbeitete zwei völlig neuartige Mechanismen in seiner Uhr - seine “perfekte Unruh für Längengraduhren” und eine neuartige Hemmung, die anscheinend auch von ihm selbst entwickelt worden war. Die “perfekte Unruh für Längengraduhren” ist eine einzigartige Konst- ruktion bestehend aus einem Pendel an einem Foliot (der Unruh). Die Idee mag seltsam erscheinen, aber wie Huygens mit seinen Berechnungen bewies, ist die Konstruktion isochron.4 Huygens neue Hemmung war ein erster Versuch, eine reibungsarme Hemmung zu entwerfen. Der Impuls des “Ankers”, mit einer Palette, erfolgt über ein erstes Hemmungsrad mit Verriegelung über das zweite Rad. DIE HISTORIE DER LÄNGENGRADUHR SOWEIT BEKANNT Frühe 1680er Jahre bis 1695: im Besitz von Huygens. 1695-1754: im Besitz der Familie Huygens. 1754: während einer Auktion durch die Familie Huygens verkauft (Oeuvres Complètes de Christiaan Huygens, Band 15, Seiten 19-21). 1754-1980er Jahre: Verbleib unbekannt. 1980er Jahre bis 2002: Time Museum, Rockford, USA (Inv. 727). 2002: während einer Auktion des Time Museums über Sotheby’s am 19. Juni als Lot 129 verkauft, fälschlicherweise Sully zugeschrieben. DIE UHR IM TIME MUSEUM Die Uhr wurde in den 1980er Jahren vom Time Museum für 20.000 Dollar5 erworben, war also relativ preiswert. Die Uhr war nicht funktionsfähig; der vorherige Besitzer war davon ausgegangen, dass die Uhr ein Pendel benötigte, und hatte ein kurzes Scheinpendel am Foliot angebracht (über das Gewicht am Foliot). Wer hätte damals ahnen können, dass es sich hier wahrscheinlich um eine der bedeutendsten Uhren des ganzen Museums handelte? WIE KANN DIE UHR HUYGENS ZUGESCHRIEBEN WERDEN? – Nur Huygens und später Sully stellten Längengraduhren mit “Perfekter Marine-Unruh” her. Die Tatsache, dass die Uhr für solch eine Unruh gedacht war, zeigt sich deutlich an der Anordnung der Platten. Viertes und fünftes Rad sind mit Brücken versehen, um zusätzlichen Raum zu schaffen, was nur für die Anordnung einer perfekten Unruh sinnvoll ist. – Huygens schrieb, er habe für seine neue Erfindung eine Pendeluhr umgebaut.6 Die vorliegende Uhr war ursprünglich mit einem Pendel ausgestattet, der Schlitz für das Pendel und die Pendelsicherung sind klar erkennbar. – Huygens schrieb, seine Uhr habe einen Mechanismus für die Zeitglei- chung. Es existiert nur eine solche frühe Uhr mit Zeitgleichung. – Nur Huygens und Sully stellten Uhren mit “Perfekter Marine-Unruh” her. Da diese Uhr nicht von Sully angefertigt wurde (siehe folgenden Absatz), muss sie folglich von Huygens hergestellt worden sein. WARUM WURDE DIE UHR IN DER VERGANGENHEIT FALSCH ZUGEORDNET? Als die Sammlungen des Time Museum aufgelöst wurden, wurde die Uhr an Sotheby‘s zur Versteigerung gegeben. Im Katalog vom 19. Juni 2002 schrieb Sotheby’s die Uhr Sully zu, da “…die Konstruktion des Werkes dieser komplizierten Uhr eine reibungsarme Lagerung der Zahnräder des Räderwerks verwendet, was darauf schließen läßt, dass das Werk von Henry Sully hergestellt wurde“. Sotheby‘s war also anscheinend der Meinung, dass die reibungsarmen Rollen nur von Sully eingesetzt wurden, während sie tatsächlich bereits lange vor Sullys Zeit zum Einsatz kamen. Tatsächlich war Huygens mit dieser Mechanik vertraut7 und sogar Leonardo da Vinci zeichnete sie bereits im Jahre 1494 (Codex Madrid I). Es liegt auf der Hand, dass die Annahme, die Uhr sei Sully zuzuschreiben, da er als einziger die reibungsarmen Rollen verwendet habe, nicht zu halten ist.

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