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Auktionen Dr. Crott 88. Auktion

429* (Charles) Cabrier, London, Werk Nr. 741, 47 mm, 130 g, circa 1700 Außergewöhnlich feine und zugleich bedeutende Gold, Edelstein und Perlmutt Taschenuhr königlicher Provenienz mit 7½-Minutenrepe- tition und Schlag auf Glocke, sowie Stummschaltungsmöglichkeit und dem Wappen der Königin Anne, vermutlich ein Geschenk an ein Mitglied des russischen Königshauses Geh.: Außengehäuse - die Rückseite mit fünf Perlmuttkartuschen und aufgesetzten Goldranken und grünen Steinen. Innengehäuse - aufwändig durchbrochen gearbeitet und graviert mit Maskarons und exotischen Vögeln. Beide Gehäuse von “AG”. Zffbl.: Gold, Champlevé-Technik, röm. Stunden und Halbstundenanzeigen mit grünen Steinen. Werk: Vollplati- nenwerk, feuervergoldet, Kette/Schnecke, frühe Balusterpfeiler, Spindel- hemmung, früher durchbrochen gearbeiteter, fein floral gravierter Unruh- kloben mit Maskaron, silberne Schutzkappe über dem Werk mit Königin Annes königlichem Wappen. Unseres Wissens nach ist dies die prächtigste aller von Cabrier signierten Uhren. Das Erscheinungsbild der Uhr ist eindrucksvoll - das äußere Gehäuse allein ist bereits ein überwältigender Anblick, mit den in Gold gefassten Perlmutt-Täfelchen und den dazwischen liegenden Aussparungen von durchbrochen gearbeitetem Goldwerk, das mit Blätterranken graviert ist. Das goldene Innengehäuse ist durch- brochen und im Mittelteil mit einer Maske und exotischen Vögeln im Laubwerk graviert. Die Tatsache, dass das Werk keine für die Zeit typische Viertelstun- denrepetition, sondern eine 7½-Minutenrepetition hatte zeigt, dass die Uhr für einen ganz besonderen Bestimmungsort gedacht war. Der Repetitionsmechanismus der Uhr verdient besondere Beachtung, denn es könnte sich hier um die früheste bekannte Konstruktion mit Schlagauslösung über einen unbeweglichen Stern handeln. Sehr frühe Repetitionsmechanismen hatten das Problem, dass der Stundenschlag davon abhing, wie weit das Pendant gedrückt war; wenn es nicht vollständig gedrückt wurde, schlug die Uhr weniger als die korrekte Stundenzahl an. Um dies zu vermeiden, wurde die sogenannte “Alles-oder-Nichts”-Sicherung entwickelt, bei der die korrekte Stundenzahl angeschlagen wird, wenn das Pendant vollständig gedrückt wurde - wenn das nicht der Fall ist, werden keine Stunden geschlagen. Die frühesten “Alles-oder-Nichts”-Konstruktionen beruhten auf dem sogenannten “beweglichen Stern”, wobei die Stundenstaffel auf einem drehbaren Hebel angebracht war, der die Präzision des Schlages gefährdete. Die vorliegende Uhr scheint eine der ersten - wenn nicht sogar DIE erste Uhr zu sein, bei der der “Alles-oder-Nichts”-Mechanismus auf einem unbeweglichen Stern beruht. Der so erreichte Grad an Präzision bzw. die Kontrolle über das Schlagwerk erlaubten es dem Uhrmacher sogar, die Schlaggenauigkeit mit einer 7½ -Minutenrepetition zu verdoppeln, d.h., den Kamm von vier auf acht Schritte abzuändern. Um den 7½-Minutenschlag vom Stundenschlag zu unterscheiden ist der zweite Hammer minimal kürzer und klingt deshalb etwas schwächer. Wahrhaftig eine Uhr, die einer Königin würdig ist. Uhren aus dem Besitz der Königin Anne sind selten. Wir kennen die meisten davon nur aus schriftlichen Unterlagen und nicht als erhaltene Exemplare. Die Gräfin von Ilchester stellte eine “edelsteinbesetzte Uhr” aus dem Besitz der Königin während der Ausstellung “Royal Treasures” in London vom 13. April bis 22. Mai 1937 aus (Ausstellungsstück Nr. 518). Die Sammlung Bernal enthielt eine Uhr, die Königin Anne der Herzogin von Marlborough geschenkt hatte. Die aufwändige Verarbeitung der Uhr mit Edelsteinen und Perlmutt lassen darauf schließen, dass die Königin sie als Geschenk für den russischen Hof erwarb, mit dem England bereits seit der Zeit Iwans des Schrecklichen diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen pflegte. Die Königin benötigte sowohl Präsente für Peter den Großen, als auch für Iwan V. und das gleich mehrmals im Jahr. Eine solche Uhr war für diesen Zweck perfekt. Am russischen Hof waren steinbesetzte Uhren unter den Mitgliedern der königlichen Familie und den Reichen des Landes große Mode. Das Kreml-Museum besitzt einige solche Uhren, darunter auch eine, die nicht nur vom demselben Uhrmacher, Charles Cabrier (Nr. 671) gefertigt, sondern auch im gleichen Stil gehalten ist, nämlich mit einem Amethyst- Gehäuse mit Diamanten (Inv. M3-4093); weiterhin gibt es eine Uhr mit Edelsteinen von Peter Parquot in London, die wahrscheinlich in einer Dresdener Werkstatt gefertigt wurde, mit Gehäuse aus Bergkristall und Email aus dem frühen 18. Jahrhundert, aus der Sammlung Nikolaus’ II. (Inv. M3-4143). Es ist anzunehmen, dass die vorliegende Uhr aus derselben Sammlung stammt und während oder nach der bolschewistischen Revolution außer Landes gebracht wurde.

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