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Auktionen Dr. Crott 91. Auktion

516 Charles & Pierre Landreau, Amsterdam, 51 mm, 114 g, circa 1675  Bedeutende, hochfeine, astronomische Halsuhr Geh.: Silber, aufwändig floral punziert und graviert, großes Außenscharnier, Kugelpendant mit gravierter Lilie. Zffbl.: dezentraler, aufgelegter silberner Stundenring mit röm. Zahlen, aufgelegter silberner Ziffernring mit arab. Zahlen für die Anzeige des Mondalters mit zentraler Silberscheibe mit Öffnung für Mondphase, aufgelegter silberner Datumsring; drei Fenster für die Anzeige von Gestirnen bei “12”, Monaten und deren Länge sowie die jeweilige Jahrszeit bei “4” und Sonnenaufgang und -untergang bei “8”; vergoldeter floral gravierter Fond, gebläute Zeiger. Werk: Vollplatinenwerk, feuervergoldet, signiert, Kette/Schnecke, gravierte und durchbrochen gearbeitete Werkspfeiler, Spindelhemmung, aufgelegtes gebläutes durchbrochen gearbeitetes Gesperr für Federspannung, Eisen- Ringunruh ohne Unruhspirale, floral durchbrochen gearbeiteter und gravierter Unruhkloben. Wenn man die vorliegende Uhr beschreibt, muss man eigentlich auch eine weiteres, praktisch gleiches Exemplar in die Beschreibung einbeziehen, das in unserem Auktionshaus zwei Jahre nach dem Erwerb des ersten aufgetaucht ist. Zu beachten ist die kleine, stilisierte Lilie auf dem jeweiligen Pendant. Gemäß der niederländischen Silber und Gold Behörde Waarborg Holland handelt es sich bei der kleinen stilisierten Silbermarke um die Meistermarke des in Oldenburg geborenen, berühmten Silberschmieds und Spieluhrenherstellers Boele Rijnhout (1629-1689). Ein geradezu frappierend ähnliches Gehäuse besitzt auch die im Musée International d’ Horlogerie in La Chaux d’ Fonds befindliche Uhr von Jacques Hubert aus Rouen, die auf etwa 1670 datiert ist; man könnte meinen, ein und derselbe Gehäusemacher habe alle drei angefertigt, denn sie alle sind im exakt gleichen naturalistischen Stil von Gilles Légaré mit einem Gewebe aus Stengeln, Blättern und Blüten von Tulpen, Lilien und Erdbeeren überzogen und die Arbeitstechnik deutet zumindest auf eine Werkstatt hin. Wir haben noch eine vierte Uhr gefunden, die – vom Gehäuse her – ebenfalls in diese Reihe gehört: Henry B. Fried bildet in seiner “Cavalcade of Time” auf Seite 34 unter Nr. 17 eine Uhr ab, die angeblich 1780 in Holland für eine Londoner Firma Gallant gefertigt worden ist. Das Gehäuse dieser Uhr ist ganz zweifellos 100 Jahre älter und mit Sicherheit ebenfalls in derselben Werkstatt, wie die oben erwähnten entstanden. Das selbe Museum zeigt Beispiele von Uhren mit gleichem Aufbau der Rückplatine und gleicher Zifferblatteinteilung, wie bei den “Landreau”-Uhren. Auch sie stammen aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, einer Zeit also, die für den Uhrmacher Salomon Landré viel zu früh ist. Einen weiteren Hinweis auf die Gebrüder Landreau als Hersteller beider Uhren liefert der Katalog No. 1 der “Galerie Genevoise d’ Orlogerie Ancienne” vom 8. August 1974, wo unter Lot 167 eine völlig gleiche astronomische Taschenuhr angeboten wird, mit der Angabe “Landreau, Amsterdam” und der interessanten Zeitangabe “um 1650”. Interessant deshalb, weil die Gebrüder Landreau lt. Morpurgo um diese Zeit als hugenottische Flüchtlinge tatsächlich schon in Amsterdam gearbeitet haben sollen und die Tatsache, daß alle diese Uhren keine Spirale besitzen, darauf hinweist, daß sie entweder vor der Huygens’schen Erfindung der Unruhfeder angefertigt wurden oder nicht lange Zeit danach; die Zeit eben, die diese Entdeckung brauchte, um sich zu verbreiten. 40240  G: 2, 10 Z: 2, 8 W: 2, 41, 51  21.000 - 25.000 EUR 23.200 - 27.600 USD 189.000 - 225.000 HKD

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