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Katalog Nr. 66
100.
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Schätzpreis  150.000 - 200.000 €
Realisierter Preis 169.000 €
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Meistermarke "NS" (Nikolaus Schmidt der Ältere), Augsburg, 170 x 170 x 90 mm

, circa 1580

Bedeutende, museale, zweizeigrige Renaissance Horizontal-Tischuhr mit originaler Feuervergoldung, punzierter Reliefszene, 24-Stunden-Zifferblatt, Viertelstunden-/Stundenselbstschlag und Wecker, sowie früher Minutenanzeige "Die Löwenjagd", wohl gefertigt für den spanischen Hof


Geh.: Messing, feuervergoldet, die Seiten mit punziertem Reliefdekor, vier Füße als geflügelte Puttoköpfe gearbeitet, kleine Bodenglocke für die Viertelstunden, große Bodenglocke für die Stunden. Ziffbl.: Messing, feuervergoldet. Werk: quadratisches Messingwerk, feuervergoldet, Herstellerpunzen: zwei Schilde mit Monogramm "NS", Darmsaite/Schnecke für Gehwerk, 3 Federhäuser für Viertelstunden-/Stundenschlagwerk und Wecker, Balusterpfeiler, 2 Hämmer, Eisenräderwerk, innenverzahnte Schlossscheibe, Spindelhemmung mit Radunrast, Eisenunruh.

Das Gehäuse
Das feuervergoldete Messinggehäuse ist aufwändig verziert mit fein getriebenen und gravierten Ranken, Blatt- und Weinmotiven auf der Oberseite und erhabenen Gussreliefs auf den Seitenpaneelen, sowie Blüten- und Blattornamenten auf der Unterseite. In der durch einen Verschluss zu öffnenden, abnehmbaren Bodenplatte befinden sich kreisförmige Öffnungen für die auf der Rückwand montierten Glocken. Desweiteren verfügt sie über vier, in spanischer Sprache beschriftete Öffnungen für die Funktion der jeweiligen Aufzugsvierkante: DESPIERTADOR (Wecker) - CAMPA (Schlagwerk) - CUERDA (Gehwerk) - QUARTOS (Viertel). An den Ecken befinden sich als geflügelte Puttoköpfe geformte Füße, einem beliebten Motiv der Renaissance.
Die Reliefs an den Seitenwänden zeigen eine Szene aus der Antike: eine Löwenjagd und eine Siegesfeier. Die Löwenjagd hat eine lange Tradition, im alten Assyrien galt sie als Sportart des Königs und Sinnbild für das Oberhaupt des Reiches, der alle Gefahren abwehrt. Löwen wurden stellvertretend für alles Bedrohliche gesehen, das der König höchstpersönlich abzuwenden hatte. Die rituellen Jagden fanden mit eigens für die Jagd gezüchteten Löwen statt. Helfer ließen die Löwen zu Beginn der Jagd aus ihren Käfigen, Helfer mit Hunden und Soldaten sorgten dafür, dass kein Löwe entkommen konnte. Inmitten des Kampfes erwies sich der König als mutige, unerschrockene Siegergestalt, der sich auf der Jagd und infolgedessen auch als Feldherr bewährte.
Diese antike Ikonographie wurde im 16. Jahrhundert wiederbelebt und diente als wichtige Inspirationsquelle für Maler und Kunsthandwerker. Römische Sarkophage mit Jagdszenen dienten den Künstlern als Vorlage und fanden großen Anklang in Adelshäusern, wie beispielweise den Medicis. Verbreitet wurden sie in ganz Europa durch Zeichnungen und Drucke.
Die auf den Seitenpaneelen dargestellte Löwenjagd vorliegender Tischuhr basiert ursprünglich auf ein Relief, welches sich auf einem römischen Sarkophag im Palazzo Rospigliosi in Rom befindet. Dieses wiederum diente als Inspirationsquelle für einen zwischen 1510 und 1520 angefertigten Stich des italienischen Kupferstechers Giovanni Antonio da Brescia und vermutlich die Vorlage für das Relief vorliegender Uhr war. Dieses Motiv lässt sich auch auf anderen deutschen Uhren des 16. Jahrhunderts wiederfinden. Es ist anzunehmen, dass Nikolaus Schmidts Uhr seiner Zeit bekannt war, denn sie ist nicht nur wegen ihrer komplexen Funktionalität hoch bedeutend, sondern auch wegen ihrer kunstvollen, zeitgenössichen Gestaltung, die die Kunstströmung der Renaissance im 16. Jahrhunderts widerspiegelt.

Das Zifferblatt
Das feuervergoldete , quadratische Zifferblatt hat einen markanten Ziffernring, der in eine feuervergoldete Lunette mit römischer Viertelstundenteilung eingefasst ist und mit Tastknöpfen zur Ermittlung der Zeit im Dunkeln ausgestattet ist, sowie mit einer arabischen Fünf-Minutenteilung. Es folgt ein silberner Ziffernring mit doppelter römischer und innerer arabischer 24-Stunden-Einteilung (2 x "I-XII" und 2 x "1-24"). Der innere vergoldete Messingring zeigt italienische Stunden mit viermaliger arabischer 6-Stunden-Einteilung. Im Zentrum befindet sich eine gravierte Weckerscheibe mit doppelter arabischer 12-Stunden-Einteilung (2 x "1-12"), die mit drei Löchern versehen ist, um die Einstellung der Weckerzeit zu erleichtern. Die Zeit wird durch ein Paar gebläute Stahlzeiger angezeigt, wobei der Stundenzeiger eine Verlängerung zur Anzeige der Weckerzeit aufweist.

Das Werk
Das mit Federkraft angetriebene, quadratische Vollplatinenwerk aus vergoldetem Messing besitzt ein Räderwerk aus Eisen. Der Antrieb erfolgt über Darmsaite und Schnecke und drei Federhäuser. Das Gehwerk hat eine Spindelhemmung mit Radunrast. Das Schlagwerk schlägt zunächst die Viertel auf die kleinere Glocke, gefolgt von den Stunden auf der größeren Glocke, beide gesteuert von einer innenverzahnten Schlossscheibe. Auf der Platine befindet sich zweimal der Meisterstempel "NS" in einem Schild für Nikolaus Schmidt der Ältere.

Nikolaus Schmidt der Ältere wurde 1549 in Wiltz/Luxemburg geboren. 1576 erlangte er in Augsburg die Meisterwürde und heiratete die Tochter des des renommierten Uhrmachers Hans Fronmüller. Wann er verstarb ist nicht eindeutig geklärt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er nach 1625, aber vor 1629 verstarb. Sein Sohn, Nikolaus Schmidt der Jüngere, war ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher. Weltweit sind von Ihm mehrere Uhren in bedeutenden Museen ausgestellt, wie im Metropolitan Museum of Art in New York und dem Historischen Museum in Basel.
Nikolaus Schmidt der Ältere ist verzeichnet bei Jürgen Abeler, "Meister der Uhrmacherkunst", 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 503.

Eine weitere Tischuhr mit der nahezu identischen Löwenjagd Szene ist abgebildet in Klaus Maurice, "Die deutsche Räderuhr", Band 2, München 1976, Abb. 511a und stammt von Gallus Schellhammer aus Nürnberg.
#49081
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut
Werk: sehr gut, gangfähig

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