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222
Katalog Nr. 222
Schätzpreis  120.000 - 250.000 €
Dies ist eine Losnummer aus einer früheren Auktion!

Pierre Lagisse, Genf (Uhrmacher) und Pierre Huaud I., Genf (Emailleur), Durchmesser 33 mm

, circa 1660-1670

Museale, bedeutende Gold und Email Spindeltaschenuhr bemalt mit dem Portrait der Königin Anna von Österreich, genannt Anne d'Autriche, Mutter des noch minderjährigen Ludwig XIV., Regentin von Frankreich nach einem Gemälde von Pierre Mignard


Geh.: Goldemail, erhabener Rand im Hochrelief verziert mit pastellfarbenen Blüten und Ranken in feiner Emailmalerei; das Portrait selbst ist im Punktierstil gemalt und von einer Kordelbordüre im Stil des Randes umrahmt. Innen mittige Abbildung eines Herrn in klassischer Bekleidung (möglicherweise eine Darstellung Ludwigs XIV. in einem Theaterkostüm) auf türkisfarbenem Grund, umgeben von einer Grisaille-Bordüre. Ziffbl.: weißer Emailziffernring, schwarze röm. Ziffern und Halbstunden-Einteilung; im Zentrum Blumenranken im Stil des Gehäuserahmens, gebläuter Stahlzeiger mit Kugelenden. Werk: Vollplatinenwerk, vergoldet, Schnecke mit früher Kette, Schneckenrad, Spindelhemmung mit Stahlunruh ohne Spirale. Durchbrochen gearbeiteter Unruhkloben mit Ovalmuster, graviert mit Ranken umrahmt von einer Bordüre aus Goldgranulierungen. Schneckenrad-Konstruktion mit durchbrochen gearbeiteten gebläuten Stahlbügeln und gravierter silberner Stellscheibe.

Pierre Lagisse
Bei Pierre Lagisse handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um Pierre Didier Lagisse, Genf und Isfahan, gestorben 1679.
Lagisse ist in offiziellen Unterlagen der Jahre 1660 und 1664 mit Sitz in Genf vermerkt. Es scheint als habe er sich später in Isfahan niedergelassen, aber weiterhin Klein- und Großuhren geordert - eventuell über seinen Sohn Pierre, den Jüngeren. Ein anderes bekanntes Beispiel seiner Arbeit ist eine Uhr in einem vergoldeten Metall- und Emailgehäuse, die wahrscheinlich für den persischen Markt hergestellt wurde und große Ähnlichkeiten zu Stücken aufweist, die Pierre Huaud I. zugeschrieben werden.

Pierre Huaud I. (der Vater), Genf (1612-1680)
Pierre Huaud I. wurde in Chatellerault in Frankreich als Sohn des französischen Goldschmieds Jean Huaud geboren; er floh im Jahr 1630 im Alter von 18 Jahren nach Genf, was darauf hinweist, dass er seine Ausbildung wahrscheinlich bei seinem Vater oder einem anderen französischen Goldschmied begonnen hat - einige Quellen vermuten, dass dies in Blois gewesen sein könnte und dass er seine Lehrzeit bei Legere absolvieren musste, um in Genf die Meisterwürde erlangen zu können. Er begann die Lehre bei Laurent Legere 1630 und wurde im Jahr 1634 Geselle, 1636 dann Meister. 1643 heiratete er Francoise Mussard; unter den Kindern des Paares waren drei Söhne, die später den Beruf des Emailleurs ausübten - Pierre II. (1647-1698), Jean-Pierre (1655-1725) und Ami (1657-1724). Im Jahr 1671 erhielten Pierre I. und seine drei Söhne die Bürgerrechte der Stadt Genf.

Es gibt heute augenscheinlich nur ein einziges Uhrengehäuse, das die Signatur von Pierre Huaud I. trägt; es handelt sich hierbei um eine Uhr in Form eines Kreuzes, die sich als Teil der Sammlung Dr. E. Gschwind im Museum Haus zum Kirschgarten in Basel befindet (dargestellt und beschrieben in "Montres de Geneve", 1978: Katalog einer Ausstellung in Genf, Nr. 7). Die Signatur lautet "P Huaud pinxit a Geneve". Es gibt jedoch eine ganze Reihe von charakteristischen Merkmalen, die Huauds Arbeit kennzeichnen; zusammen mit den Datierungen und den Namen von Uhrmachern der Zeit lassen sich die meisten Werke relativ eindeutig zuordnen.
Einige der von Pierre I. eingesetzten Techniken sind:
a) kleine Blüten als Haupt- oder Nebenornamente
b) ein türkisfarbener Emailgrund
c) transluzide grüne oder blaue Emaillierung auf einem Hintergrund in Flinqué-Technik
d) bisweilen die Verwendung von Landschaftsmalerei oder im Hochrelief emaillierter Grund
e) Opake oder transluzide Champlevé-Emaillierung innerhalb eines gravierten Feldes
Außerdem verwendete Pierre I. anscheinend regelmäßig einen lebhaften orangefarbenen Farbton und liebte es, einen Teil seiner Motive in einer schwarz-weißen Umrahmung darzustellen.
Es existieren mehrere Gehäuse seines ältesten Sohnes Pierre II., die einige der aufgeführten Merkmale aufweisen - die Qualität der Arbeit und die Datierung bestätigen jedoch, dass es sich hier um eine Arbeit des Vaters handelt.

Provenienz:
Sammlung Ralph Bernal, London, vor 1855. Paul Van Cuyck, Paris, vor 1866.

Verkauft bei Christie & Manson: "Catalogue of the celebrated collection of works of art from the Byzantine period to that of Louis Seize of that distinguished collector Ralph Bernal, Esq., Deceased (Messrs Christie & Manson at the Mansion, No 93 Eaton Square commencing on Monday, March the 5th 1855. Lot 3933. Thursday April 26th, 1855, Twenty-ninth day's sale, WATCHES.)". ("Katalog der berühmten Sammlung von Kunstobjekten aus byzantinischer Zeit bis Louis Seize, des verstorbenen angesehenen Sammlers Ralph Bernal, Esq. (Christie & Manson im Haus Nr. 93, Eaton Square, beginnend am Montag, den 5. März 1855. Lot 3933. Am Donnerstag, den 26. April 1855, 29. Tag des Verkaufes, UHREN)".)

Gekauft für 11 Guineen von Van Cuyck in Paris. Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um Paul Van Cuyck, der etwa 1865 verstarb und dessen Sammlung von Druout in Paris im Februar 1866 verkauft wurde. Die vorliegende Uhr war nicht Bestandteil des Verkaufs, der eine Reihe von verschiedenen Zeitmessern und viele weitere Kunstobjekte verschiedenster Art beinhaltete.

Ralph Bernal war ein englischer Politiker und galt als einer der größten Sammler des 19. Jahrhunderts; nach seinem Tod im Jahre 1854 erwarb das Britische Museum zahlreiche Stücke aus seiner Sammlung bei einer Auktion.

Bernal wurde am 2. Oktober 1783 in Colchester geboren und ging in die Schule des Reverend John Hewlett in Shacklewell in Hackney; er studierte am Christ's College in Cambridge und machte 1806 bzw. 1809 seine Abschlüsse als BA und MA. Bernal wurde 1804 in die Lincoln's Inn Anwaltskammer aufgenommen und erhielt am 8. Februar 1810 seine Gerichtszulassung. Er entschied sich jedoch für eine politische Karriere und wurde 1818 ins Unterhaus gewählt. Im Laufe der Jahre war Bernal als Liberaler der Abgeordnete verschiedener Wahlkreise (Lincoln, Rochester, Weymouth), bis er sein Mandat 1852 in Rochester verlor. Er war ein begeisterter Sammler von Glasobjekten, Tafelgeschirr, Keramik und Miniaturen; sein Einkommen bezog er aus Ländereien auf den Westindischen Inseln, die er 1810 geerbt hatte. Im Jahr 1853 wurde Bernal Präsident der British Archaeological Society. Bernal, der zweimal verheiratet war, starb am 26. August 1854 in seinem Haus am Eaton Square 93 in London.

Der von H.G. Bohn herausgegebene Führer "A Guide to ...Pottery, Porcelain and other Objects of Vertu etc." (London 1857) enthält den vollständigen Katalog zum Verkauf einschließlich Preisen und Käufernamen. Bei Lot Nr. 3933 handelt es sich um die vorliegende Uhr .

Nach Bernals Tod lehnte die britische Regierung den Vorschlag der Society of Arts ab, seine Sammlung als Ganzes zu übernehmen; stattdessen wurde sie 1855 in 4.294 Lots in einer Auktion von Christie & Manson veräußert.

Der Verkauf enthielt insgesamt 136 frühe Groß- und Kleinuhren; davon wurden 28 vom Marlborough House erworben - jener staatlichen Sammlung, die 1899 in Victoria & Albert Museum umbenannt wurde und in der sich die Stücke auch heute noch befinden. Insgesamt kaufte das Museum etwa 730 Objekte; weitere gingen an das British Museum.

Ikonografie:
Das Bildnis stellt mit Sicherheit Anna von Österreich dar, die Gemahlin Königs Ludwig XIII., nach einem Portrait von Pierre Mignard I. Es gibt noch weitere Portraits von Königin Anna in ähnlicher Kleidung und Haltung von Mignard und aus seinem Kreis, welche später als Stiche reproduziert wurden. Es ist unwahrscheinlich, dass der Emailleur Zugang zu einem der Originalgemälde hatte - er arbeitete sicher nach einem dieser Stiche. Es gibt zwar mehrere Künstler, die diese Werke anfertigten, es ist jedoch anzunehmen dass hier nach einem Stich von Robert Nanteuil (datiert auf 1660) oder Antoine Masson (datiert auf 1665) gearbeitet wurde; beide Künstler waren in Paris tätig. Das hervorstechende Merkmal beider Stiche sind die großen Perlenornamente, die das Kleid an den Schultern und der Brust verzieren. Der Stich von Nanteuil ist offensichtlich ein Spiegelbild - nicht ungewöhnlich, da die Platte als genaue Kopie des Originals graviert wurde; Massons Vorlage dagegen wurde spiegelbildlich graviert, um die gleiche Ansicht wie das Originalgemälde zu bieten. Der Stich von Masson weist noch weitere Perlenverzierungen vorne am Kleid auf, die jedoch nicht bei dem Portrait auf der Uhr übernommen wurden. Es ist auch gut möglich, dass verschiedene Versionen oder Varianten der Druckplatte angefertigt wurden. Auf jeden Fall blieb es natürlich dem Emailleur selbst überlassen, welche Stilelemente er für seine Arbeit verwenden wollte.
Im Inneren der Uhr ist das klassische Portrait des Herrn etwas extravaganter ausgeführt, als es normalerweise der Stil der Huaud'schen Uhren ist. Dies mag der besonderen Kunstfertigkeit von Pierre Huaud I. zuzuschreiben zu sein, denkbar ist jedoch auch, dass der Künstler hier Bezug nimmt auf Annas Ehemann Ludwig XIII. oder ihren Sohn Ludwig XIV., die beide dem Tanz und dem Theater leidenschaftlich verbunden waren. Die prächtige federgeschmückte Kopfbedeckung ist nicht unähnlich derer in bekannten Stichen, die die Könige in Theaterkostümen darstellen.
#41603
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut
Werk: sehr gut, gangfähig


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