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131
Katalog Nr. 131*
Schätzpreis  35.000 - 50.000 €
Dies ist eine Losnummer aus einer früheren Auktion!

Leo Juvet, Fleurier zugeschrieben, Geh. Nummern 4569 und 4570, 56 mm, 120 und 122 g

, circa 1880

Seltenes Email-Taschenuhren-Paar mit spiegelverkehrten "Blumenbouquets" und springender Zentralsekunde, hergestellt für den chinesischen Markt - mit originaler, mit Samt ausgeschlagener, roter Saffianleder Schatulle und Originalschlüssel


Geh.: Silber/vergoldet/Email/Perlen, Werksverglasungen. Ziffbl.: Email. Werke: Brückenwerk, Schlüsselaufzug, feinst handgraviert mit Ranken und floralem Dekor, jeweils ein fliegendes, reich graviertes Federhaus, chinesische Duplexhemmung nach Charles Edouard Jacot, monometallische Unruh mit gebläuten Stahlgewichten.

Ein ähnliches Paar mit gleichem Sujet, allerdings mit einem größeren Durchmesser von 63 mm, wurde in unserer letzten Auktion für 100.000 EUR zugeschlagen (Lot 112/92. Auktion). Bei Christie's in Genf wurde am 12. November 2012 als Lot 42 ein Taschenuhrenpaar für CHF 105.000 verkauft. Ein weiteres Paar, jedoch mit Jagdszenen wurde bei Sotheby’s New York im Dezember 2011 als Lot 291 für USD 236.500 verkauft. Am 17. Mai 2008 haben wir ein Taschenuhren-Paar mit einer pastoralen Szene von Juvet versteigert, welches sich heute im Musée L.U.CEUM - Traces du Temps, Chopard Manufacture S.A. in Fleurier befindet und als Leihgabe Teil der Ausstellung des Patek Philippe Museums "Le Miroir de la Séduction" war.

Uhren für den chinesischen Markt
Das kaiserliche China erlebte im 18. Jahrhundert seine Blütezeit. Neben dem vermögenden Kaiserpaar konnten sich auch wohlhabende Kaufleute und Beamte teure Luxuswaren leisten. Sie kauften beispielsweise Uhren, entweder um ihre eigenen Sammlungen zu bestücken, oder aber um dem Kaiser mit Hilfe teurer Geschenke die Ehre zu erweisen.
In Europa erkannte man die aufkeimende Finanzkraft in der chinesischen Gesellschaft und begann neben dem Export aufwändig gefertigter Uhren schweizer Dependancen direkt in China zu eröffnen. Um den damaligen Zeitgeschmack zu treffen und den kulturellen Forderungen gerecht zu werden, untersuchte man die Vorlieben der "neuen" Kundschaft. Man begann ihren Hang zur Symmetrie und ihre Liebe zur "doppelten Existenz" umzusetzen, ein Ideal, das sich auf das paarweise Dasein als ein Sinnbild kosmischer Ganzheit zu verstehen ist.
Das chinesische Leitbild wurde umgesetzt. Man begann Uhren paarweise herzustellen, die britischen Manufakturen in symmetrischer Anordnung, die schweizer in assymetrischer, wobei das Uhrenpaar mit derselben Nummer ausgestattet wurde. Bei Uhren aus dem Val-de-Travers wurde ein Zwilling jedoch mit einem zusätzlichen, kleinen Zeichen versehen - so auch bei dem hier vorliegenden Uhrenpaar.
Die reich verzierten Uhrengehäuse hatten immer markante Dekore. Ihre Formen, Farben und Motive stammten aus der Natur. Sie zeichneten sich durch ihre unübertroffene Qualität und ihr wunderschön gestaltetes Design aus. Die Möglichkeit Form und Farbe facettenreich einzusetzen, machte die Verwendung von Blumenarrangements sehr populär. Es gab sie mit und ohne Taubendarstellungen, vor hellem oder dunklem, opak oder transluzid gestalteten Hintergründen - das, neben zahlreichen Landschaftsdarstellungen und figürlichen Motiven aus der chinesischen Tradition, beliebteste Sujet.

Edouard & Léo Juvet
Die Familie Juvet war eine der angesehenen Schweizer Uhrmacherfamilien, die Uhren für den chinesischen Markt produzierten. Edouard Juvet (1820-1883) eröffnete seine Werkstatt 1842 in Butte und zog 1844 nach Fleurier um. 1856 begann er damit, Uhren für den chinesischen Markt herzustellen; seine Söhne Ami-Louis und Léo waren beide im chinesischen Familienbetrieb tätig - Léo reiste nach Ami-Louis' Tod nach China um dort seinen Platz zu übernehmen. In Shanghai konnten lediglich die Bovets mit den Juvets konkurrieren; die beiden Familien pflegten jedoch freundschaftliche Beziehungen miteinander. Das Haus Juvet florierte und man eröffnete Filialen in Beijing und Tianjin, so dass Léo 1872 bemerkte: "unsere Uhren verkaufen sich wie Salz". 1873 meldete Edouard Juvet ein Warenzeichen in chinesischen Schriftzeichen für die Produkte der Firma an. Im November des Jahres 1875 übertrug er seinem Sohn Léo die Handlungsvollmacht; nach Edouards Tod im Februar 1883 wurde Léo sein Nachfolger als Leiter des Unternehmens.
Die fein handgefertigten und im künsterlischen Stil einzigartigen Taschenuhren Juvets wurden von den Mitgliedern der königlichen Familie der Qing-Dynastie hoch geschätzt, die Marke Juvet wurde zur kaiserlichen Uhrenmarke. Der Besitz einer Juvet Taschenuhr galt als Symbol von Noblesse und Reichtum.
#42292
Geh.: sehr gut, kleine Restaurierungen, kleine Abplatzungen
Ziff.: sehr gut, Haarrisse
Werk: sehr gut, gangfähig, Reinigung empfohlen


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