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151
Katalog Nr. 151
Schätzpreis  130.000 - 200.000 €
Dies ist eine Losnummer aus einer früheren Auktion!

Werkstätte von Guangzhou, 260 x 490 x 160 mm

, circa 1790

Seltene, chinesische, mit Schmucksteinen besetzte Tischuhr aus vergoldetem Metall und Silber mit schweizer Viertelstundenschlagwerk und Musikspielwerk, stündlich auslösend oder auf Anforderung, Jiaqing Epoche, Qing-Dynastie (1796-1820)


Geh.: vergoldetes Kupfer und Messing, Silber, Schmucksteine. Ziffbl.: Email, Lunette mit Bajonettverschluss. Werk: rundes Messing-Vollplatinenwerk, 2 Federhäuser für Geh- und Schlagwerk, 2 Hämmer/2 Glocken, rückwärtig aufgesetzte Schlagwerkskadratur, Schlossscheibe, 8-Tage-Werk, Hakenhemmung, Kurzpendel mit Fadenaufhängung, Pendellinse in der Form einer Zikade mit steinbesetzten Augen. Musikspielwerk: Nach dem Stundenschlag stündlich auslösend oder nach Belieben mit Hilfe eines kleinen Knopfes auf der rechten Seite des Gehäuses. Ein zweiter Knopf wechselt zwischen den Melodien hin und her. Messingzylinder mit Stahlstiften, Kamm mit 17 Vibrationsblättern aus jeweils vier Zähnen auf die Messinggrundplatte aufgeschraubt . Antrieb über ein speziell angefertigtes umlaufendes Federhaus, welches eine 8-tägige Musikspieldauer ermöglicht, Aufzug auf der linken Gehäuseseite. Zur Verstärkung des Tones wurde die Konstruktion ist auf eine Messingplatte mit Holzrahmen montiert.

Das Oberteil, eine taillierte Kartelluhr in Form eines chinesischen Tisch-Paravents oder Bilderrahmens, wird von zwei kannelierten Säulen gestützt, die auf einem rechteckigen Sockelkästchen befestigt sind. Die Vorderseite und die Rückseite mit punzierten Blütenbordüren. Ein silbergefasster, roter Schmucksteinrahmen umschließt das mattvergoldete Zentrum, dessen untere und obere Hälfte mit stilisierten Chrysanthemenblüten und Laubwerk verziert sind. Die mit Akanthuslaub punzierte Lunette umgibt eine Reihe von abwechselnd roten und weißen, facettierten Kristallen. Durch einen Bajonettverschluss ist die Lunette dreh- und abnehmbar, um die Aufzugsvierkante unterhalb des Zifferblattes zugänglich zu machen.
Der Rahmen auf der Rückseite ist mit einem ähnlichen Muster graviert: Eine einfache vergoldete Platte mit abnehmbarer, durchbrochen gearbeiteter Blende fein graviert mit stilisierten Blumen und Blättern dienen als Schallöffnung für die sich dahinter befindlichen Glocken. Bekrönt wird das Gehäuse von einem fein gegossenen, ziselierten und vergoldeten Aufbau in Form eines Blumenkorbes in dessen Zentrum sich eine stilisierte Blüte aus roten und grünen Cabochons befindet, flankiert von blütengefüllten Füllhörnern, Blattranken und Putti. Der Korpus wird gestützt von zwei kannelierten Säulen mit rechteckiger Basis, welche auf dem rechteckigen Unterbau platziert sind. Dieser wird bekrönt von einer umlaufenden, durchbrochen gearbeiteten Galerie mit kannelierten Eckpfeilern und Laternen. Die leicht nach hinten versetzten Seiten und die Front sind matt vergoldet. Die Vorderseite ist gerahmt von einer silbergefassten Bordüre aus facettierten, roten Steinen. Das Zentrum ist verziert mit aufgelegtem, punziertem Laubwerk, flankiert von zwei Chrysanthemenblüten aus roten und grünen Cabochons. Vier kannelierte weit ausgestellte Füße tragen den Korpus, dazwischen befindet sich ein Ziergitter aus punziertem Akanthuslaub und Blüten.

Fast ohne Ausnahme haben die Uhren aus den Guangzhou-Werkstätten ihren Aufzugsmechanismus auf der Rückseite. Das Gleiche gilt für die meisten der Uhren, die in der Schweiz für den Export nach China hergestellt wurden, wobei eine viele davon eine englische Signatur tragen oder tatsächlich gänzlich in England hergestellt wurden. Obwohl die Ganggenauigkeit der Uhren für den chinesischen Sammler nicht von Vorrang war, so galten sichtbare Aufzugsöffnungen auf dem Zifferblatt als unästhetische Unterbrechung im gleichmäßigen Fluss der Zeit.
Da bei dieser Uhr das gesamte Schlagwerk auf der rückwärtigen Grundplatte montiert ist, muss das Werk von vorne aufgezogen werden - hierzu hat sich der Uhrmacher einer raffinierten und eleganten Lösung bedient. Die Aufzugsöffnungen wurden unter dem Zifferblatt montiert und werden sichtbar, wenn man die als Bajonettverbindung eingesetzte schmucksteinbesetzte Lunette nach links dreht; mit einer Drehung nach rechts sitzt die Lunette wieder fest.

Die Erfindung der Spieluhr mit Kamm und Vibrationsblättern wird Antoine Favre-Salomon in Genf (1734-1820) zugeschrieben; sie wird erstmals erwähnt in der "Registre de la Société des Arts de Genève" vom 15. Februar 1796. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in Spieluhren, Uhren und Dosen Stiftenwalzen mit Hämmern verwendet, die auf eine Reihe von Glocken schlugen. Alfred Chapuis beschreibt in seinem Buch "Histoire de la Boîte`a Musique", dass aufgrund der Tatsache, dass die Republik Genf praktisch vollständig von französischen Streitkräften umzingelt war, das gesamte Uhrmacherhandwerk in Genf von einem Handelsembargo betroffen war. Dies galt besonders für Waren aus England, wo die besten und feinsten Glockensätze hergestellt wurden. Diese Notlage könnte Favre-Salomon dazu angeregt haben, den Einsatz von Stahlfedern für Musikspielwerke in Erwägung zu ziehen.
Chapuis stellt ferner fest man nehme an, dass Favre mit Jean-Frédéric Leschot, Partner und Nachfolger des Unternehmens von Jaquet-Droz, dem wohl bekanntesten Hersteller von Automaten und Musikobjekten für den chinesischen Markt, zusammengearbeitet habe.
Extrem feine und zuverlässige Rückholfedern waren ein wesentlicher Bestandteil solcher Objekte und Favre war sich der Tatsache wohl bewusst, dass diese Federn einen Ton hervorbringen, wenn sie angeschlagen werden. Aufgrund der politischen Unruhen scheint Favre aus seiner Erfindung kaum profitiert zu haben; in den nächsten 20 Jahren jedoch wurde seine Idee von einer Reihe von Zeitgenossen aufgenommen und weiter entwickelt. Zunächst wurde jedes Zähnchen einzeln auf den Kamm montiert und so für Uhren und andere kleine Objekte verwendet.
Aus den einzelnen Zähnen pro Ton auf den Kämmen wurden zuerst Zahnpaare, dann Dreier- und Vierergruppen - der erste Kamm aus einem Stück wurde, nach einem Bericht über die Ausstellung "Exposition des Produits de l’ Industrie Genevoise" von 1828, dann bereits 1814 von François Lecoultre vorgestellt. Aufgrund des äußerst schwierigen Herstellungsverfahrens wurden diese Kämme allerdings erst ab 1818 mehr oder weniger standardmäßig eingesetzt. Berühmte Hersteller wie Piguet & Meylan, Lecoultre, Henri Capt und Nicole verwendeten die Kämme, jedoch sind nur wenige dieser frühen Stücke mit einer Signatur versehen.

Auch andere Objekte, wie Spiegel, Bilder und Uhren mit ähnlichen dekorativen Techniken und Designs sind bekannt. Dazu gehört auch ein Spiegel mit eingebauter Uhr, entworfen für die Anbringung in einer Kutsche, signiert W. Beckford, London, 12969, sowie ein Handspiegel mit eingebauter Uhr, ebenfalls von Beckford. Wir hatten diesen in unserer 71. Auktion am 19. November 2005 als Lot 364 vorgestellt - der Spiegel befindet sich heute mit der Inventarnummer S-87 im Patek Philippe Museum. Beide Stücke wurden in den Guangzhou Werkstätten unter Verwendung importierter englischer Werke geschaffen. Typisch für die Uhren und anderen Objekte aus den chinesischen Werkstätten ist das weitaus bessere Verständnis der Symbolik der zur Zierde verwendeten Elemente, als dies bei den in England oder der Schweiz hergestellten Stücken der Fall war. Die stilisierten Chrysanthemenblüten werden mit geistiger Leistung, mächtiger Yang-Energie und einer starken Lebenskraft verbunden. Die Zikade ist das Fengshui Symbol der Unsterblichkeit und der Möglichkeit einer guten Wiedergeburt.

Bibliographie:
Pieter Friess, "Die Entstehung der tragbaren Uhr", Patek Philippe Museum, Genf, 2015, Band III, S.376.
Alfred Chapuis usw. "Histoire de la Boîte`a Musique et de la Musique Mécanique", Lausanne, 1955.
#43819
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut
Werk: sehr gut, gangfähig


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