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Katalog Nr. 69
100.
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Schätzpreis  30.000 - 50.000 €
Realisierter Preis 131.500 €
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Moritz Grossmann, Glashütte in Sachsen

, Geh. Nr. 5306, 57 mm, 169 g, circa 1880

Außergewöhnliches, schweres Glashütter Taschenchronometer mit Wippenchronometerhemmung


Geh.: 18Kt Gold, guillochiert. Ziffbl.: Email. Werk: 2/3-Platinenwerk, Goldschrauben-Komp.-Unruh, gebläute, zylindrische Unruhspirale.

In diesem bemerkenswerten Taschenchronometer in hervorragendem Zustand realisierte Moritz Grossmann eine Wippenchronometerhemmung nach dem Patent von Matthias Petersen , einem Altonaer Chronometerbauer, der 1875 ein Patent auf eine Chronometerhemmung mit Wippe und Ruhezylinder eintragen ließ. Schon 1871 hatte er sich mit der Bitte um Unterstützung bei der Konstruktion an Grossmann gewandt. Die verbesserte und zuverlässige Hemmung baute Grossmann dann in einige Taschenuhren und auch Schiffschronometer ein. Eine Änderung am Wippenzylinder, die eine einfachere Herstellungsweise erlaubte, führte später zum Typ II der Grossmann'schen Wippe. Beide Bauarten werden gemeinhin die "Deutsche Chronometer-Hemmung" genannt.

Carl Moritz Grossmann wird am 27. März 1826 in Dresden geboren, sein Vater ist Briefsortierer beim königlichen Hofpostamt in Dresden. Moritz wächst in bescheidenen Verhältnissen auf, doch erkennen seine Lehrer anhand seiner exzellenten schulischen Leistungen, dass in ihm wohl eine außerordentliche Begabung schlummert. Er erhält eine sogenannte "Freistelle" und studiert - ebenso wie Jahre vorher Ferdinand Adolph Lange - zwei Jahre lang an Dresdens Technischer Bildungsanstalt, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität. Im Jahr 1842 beginnt Grossmann bei Gottfried Friedrich Kumme (sen.) in Dresden eine Lehre als Uhrmacher, die er aufgrund seines Talents vorzeitig beenden darf. Nebenbei lernt er englisch, französisch und italienisch. Während dieser Zeit befreundet sich Grossmann mit dem elf Jahre älteren Uhrmacher Lange an. Beide sind ehrgeizig, tüfteln, möchten wissen, wie alles funktioniert und wollen Uhren bauen. Seine Wanderschaft führt Moritz Grossmann 1847 zunächst zum Chronometermacher Moritz Krille nach Altona, dann zum Hofuhrmacher Josef Bierganz nach München. Wenig später zieht es ihn in die Schweizer Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds, nach England, Frankreich, Dänemark und Schweden. Stets ist er auf der Suche nach weiterer Ausbildung und zusätzlichen Kenntnissen in seinem Fach. Erst 1854 kehrt er nach Dresden zurück, kurze Zeit später geht er in das 30 Kilometer entfernte Glashütte. Moritz Grossmann entwickelt dort den "Glashütter Drehstuhl" (eine kleine Drehbank für Uhrmacher), später konzentriert er sich auf den Ankergang der Uhren und die optimale Konstruktion der Chronometerwippe; er fertigt Präzisionswerkzeuge, Gangmodelle, feine Taschenuhren, Präzisionspendeluhren und Seechronometer. Die Vielzahl der Aufgaben, denen sich Grossmann widmet, ist natürlich nicht ohne hochqualifizierte Mitarbeiter zu bewältigen. Er schafft es, ein Spezialistenteam mit den Uhrmacher-Koryphäen Ludwig Strasser und Carl Maucksch an sein Atelier zu binden. Das lässt ihn Zeit gewinnen, um sein Wissen nicht nur in eigenen Uhren umzusetzen, sondern es auch weiterzugeben. Er hält Vorträge, schreibt für in- und ausländische Fachzeitschriften und übersetzt Fachbücher wie beispielsweise Claudius Sauniers mehrbändiges Standardwerk "Lehrbuch der Uhrmacherei". Im Jahr 1866 gewinnt Grossmann in London als erster Deutscher überhaupt einen vom British Horological Institute ausgeschriebenen Wettbewerb mit dem Werk "On the detached lever". Moritz Grossmann engagiert sich auch sozial sehr vielseitig, gründet die Freiwillige Turnerfeuerwehr, den Glashütter Militärverein und setzt sich für die Eisenbahnverbindung ins Müglitztal ein. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet er 1871 erneut. Aus dieser Ehe gehen drei Kinder hervor. 1876 wird er Abgeordneter im königlich-sächsischen Landtag. Er initiiert, konzipiert und gründet 1878 die Deutsche Uhrmacherschule in Glashütte, wird ihr erster Aufsichtsratsvorsitzender und findet noch Zeit, dort als Lehrer für Mathematik und Sprachen zu wirken. Grossmann stirbt kurz nach seinem Vortrag über "Die Einführung der Weltzeit" am 23. Januar 1885 in Leipzig an einem Gehirnschlag. Er wurde - wie übrigens tragischerweise auch sein Freund Lange - nur fast 60 Jahre alt. Nach Grossmanns plötzlichem Tod wird seine Glashütter Manufaktur aufgelöst.
Wir bedanken uns bei Grossmann Uhren GmbH für den zur Verfügung gestellten Text.
#49034
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut
Werk: sehr gut, gangfähig

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