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Katalog Nr. 72
100.
Katalog Nr. 72
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Schätzpreis  150.000 - 200.000 €
Realisierter Preis 156.500 €
Dies ist eine Position aus der letzten Auktion!

Augsburg, Höhe 430 mm

, circa 1610

Bedeutende, museale Renaissance Augenwender Figurenuhr "Dromedar" - mit zwei Automaten und Viertelstunden-/Stundenschlagwerk


Geh.: feuervergoldetes Kupfer, Silber, punziert und graviert, ebonisiertes Eichenholz. Ziffbl.: Silber, eingelegte röm Zahlen, floral graviertes Zentrum, gebläute Stahlzeiger. Werk: oktagonales Messing-Vollplatinenwerk, Darmsaite/Schnecke für Gehwerk, Federhaus für Schlagwerk, eiserne Balusterpfeiler, Schlag auf 2 Glocken mit 2 gravierten Hämmern, innenverzahnte Schlossscheibe sowie 2 Kontrollzifferblätter für Viertelstundenschlag und Automat, Messing- und Eisenräderwerk, Spindelhemmung, Eisen-Ringunruh.

Auf einem hohen, achteckigen Sockel aus ebonisiertem Holz steht ein Dromedar mit arabeskenverzierter Schabracke und Zaumzeug, das von einem Reiter geritten wird. Zu ihren Füßen befindet sich ein üppiger Wiesengrund mit Schnecken und Schlangen, Schildkröten, Lurchen und Kröten, der auf die Oberseite des Sockels montiert ist. Der zweizonig aufgebaute Sockel ruht auf acht gedrückten Kugelfüßen aus Holz, ist profiliert und an den Seiten mit reichlich Silberbeschlägen verziert. Der afrikanisch anmutende Reiter ist im Stil eines römischen Feldherrn bekleidet. In seiner linken Hand hält er die Seilzügel, in seiner rechten die Reitgerte.
Bei den beiden Figuren handelt es sich um Automaten, sie zwei verschiedene Bewegungen ausführen: Zu jedem Stundenschlag bewegt der Reiter seinen Arm mit der Gerte auf und ab, das Dromedar rollt bei jeder Unruhbewegung seine Augen hin und her.

Eingebettet in den Wiesengrund befindet sich das aus Silber gearbeitete Zifferblatt mit eingelegten röm. Stunden. Das Zentrum ist mit Blütenranken dekoriert und war wohl ursprünglich mit buntem Email gefüllt. Außen befindet eine feuervergoldete Lunette mit römischer Viertelstundenteilung und arabischer Fünf-Minutenteilung. Die Zeit wird durch ein Paar gebläute Stahlzeiger angezeigt.

Das Werk ist im Sockel untergebracht und zwischen zwei Messingplatinen montiert. Der Antrieb erfolgt über Darmsaite und Schnecke und ein Federhaus. Das mit den Augen des Tieres verbundene Gehwerk hat eine Spindelhemmung mit Radunrast. Das Schlagwerk schlägt zunächst die Viertel auf die kleinere Glocke, gefolgt von den Stunden auf der größeren Glocke, beide gesteuert von einer innenverzahnten Schlossscheibe.

Am Ende des Mittelalters ermöglichte die Entwicklung der Uhrmacherei die Schaffung der ersten Automaten, als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst. Die bedeutendsten Figurenuhren mit Automatenfunktion stammen aus den Jahren 1580 bis 1630 und wurden größtenteils in Augsburg gefertigt, neben Nürnberg, dem wichtigsten deutschen Kunstzentrum der damaligen Zeit. Ursprünglich waren sie als Sammelobjekte für die Kunst- und Wunderkammern der Fürsten- und Patrizierhäuser vorgesehen oder wurden als diplomatische Geschenke verwendet. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurden dem Sultan in Konstantinopel regelmäßig Automatenuhren als Teil der jährlichen Zuwendungen zur Erhaltung des Friedens geschickt. Im 17. Jahrhundert überreichten Jesuitenpriester dem chinesischen Kaiser Automatenuhren, in der Hoffnung das Kaiserreich christlich zu missionieren.
Nur wenige Dromedaruhren mit Automatenfunktion aus dieser Zeit haben überlebt, die meisten befinden sich heute in Museen oder bedeutenden Sammlungen, wie beispielweise dem Bayerischen Nationalmuseum in München.

Zwei weitere Renaissance Dromedaruhren mit Automaten sind abgebildet in Klaus Maurice, "Die deutsche Räderuhr", Band 2, München 1976, Abb. 298 und 299. Eine weitere aus der Sammlung Ritter Rudolf von Gutmann in Derek Roberts, "Mystery, Novelty and Fantasy Clocks", Atglen 1999, S. 37.
#49079
Geh.: sehr gut
Ziff.: sehr gut
Werk: sehr gut, gangfähig

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