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Lot 396 - Geheime Juwelenbotschaft entschlüsselt:
Die Stunden der Liebe als Geschenk des Königs



Eines unserer Top Lots der kommenden Auktion am 18. November 2017 im Sheraton Frankfurt Airport Hotel ist eine kostbare "Montre Médaillon à Tact" in Taverniers "forme collier" Gehäuse, eine Präsenttaschenuhr Jerome Bonapartes, König von Westphalen und Bruder Napoleons. Auf der Uhr findet sich die versteckte Gravur "Donnée par le Roi" (Überreicht vom König) und eine geheime, akrostische Juwelenbotschaft „HEURES D'AMOUR" (Stunden der Liebe). Ein Beispiel, wie kostbare Edelsteine vor zweihundert Jahren zum ersten Mal zarte Gefühle ausdrückten...

Taverniers "forme collier" Gehäuse ist auf der Vorder- und Rückseite mit aufwändig guillochierter Strahlendekoration und transluzid taubenblauem Email dekoriert. Der drehbarer Frontdeckel besitzt einen diamantbesetzten Pfeil "sous émail" zum Anzeigen der Stunden. Als Tastknöpfe zum Erfühlen der Zeit ist das guillochierte Mittelteil mit goldgefassten, bunten Edelsteinen und dazwischen sitzenden Perlen besetzt. Die verwendeten Edelsteine sind Hessonite, Emeraude, Uvite, Rhodolite, Emeraude, Saphire, Diamant, Améthyste, Morganite, Opale, Uvite, Rhodolite und ergeben mit den Anfangsbuchstaben ihrer französischen Bezeichnungen den poetischen Ausdruck „HEURES D'AMOUR".
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Die Geschichte des sogenannten „Akrostichon" Schmucks reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als der Juwelier der französischen Königin Marie-Antoinette, Jean-Baptiste Mellerio, die Idee hatte mit Hilfe kostbarer Edelsteine geheime Botschaften zu verfassen. Unter der französischen Kaiserin Marie-Louise stellte der berühmte Pariser Juwelier Chaumet ein Buch mit Edelsteinen zusammen, deren Anfangsbuchstaben das Alphabet ergeben. Somit konnte man auf geheimnisvolle Art einen Namen, einen poetischen Ausdruck oder eine Liebesbotschaft vermitteln. Die Mehrheit dieser Art Schmuck behandelte ein romantisches Thema. Es gab jedoch auch Fälle, in denen der Schmuck benutzt wurde, um auf subtile, elegante Art politischen Protest zu demonstrieren, wie etwa in England in Kampagnen gegen die Sklaverei, bei der die Steine so angeordnet waren, dass sie das Wort "Repeal" (Aufhebung) ergaben.
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Die beiden am häufigsten verwendeten Worte in Frankreich waren „Souvenir" (Erinnerung) und „Amitié" (Freundschaft), unter Verwendung der französischen Namen der Steine wie folgt geschrieben: Améthyste, Morganite, Iolite oder Iris, Tourmaline, Iolite oder Iris, Emeraude.

Normalerweise wurden kürzere Worte bei Ringen oder Broschen verwendet, längere Phrasen oder kurze Liebesbriefe wurden in Armbändern verarbeitet, die in erster Linie natürlich von Frauen getragen wurden. Männer hingegen konnten den Namen der Geliebten oder den Liebesbrief als funkelndes Geheimnis in Uhrengehäusen oder Schnupftabakdosen tragen.
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Der Überlieferung nach war Napoleon fasziniert von „Akrostichon" Schmuck und hatte mehrere solcher Armbänder in Auftrag gegeben, die er bei bedeutenden Ereignissen als Geschenk an die Mitglieder seiner Familie verteilte. Es dauerte nicht lange und der neue Modetrend schwappte nach England über. Zwar lagen Frankreich und England zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Krieg, dennoch war Französisch die Sprache der englischen Bildungs- und Oberschicht. Aus diesem Grund stützte sich das Alphabet der Edelsteine auf die französischen Namen der Steine, die in den meisten Fällen sowieso die gleichen waren, wie die englischen.
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„Akrostichon" Schmuck blieb in England bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein populär. Im Verlauf der Jahre wurden natürlich einige Buchstaben angeglichen (im französischen gibt es die Buchstaben k und w zum Beispiel nicht, im englischen schon), andere Namen verwendet bzw. durch andere, individuelle Materialien ersetzt, was vielen Kunden entgegenkam, weil somit eine Art romantische Geheimhaltung gewährleistet wurde. Leider ist dies auch der Grund, warum viele noch vorhandene Stücke bis heute nicht identifiziert werden konnten.