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Auktionen Dr. Crott 89. Auktion D

294 Jean-Joseph Robin a Paris, Höhe 510 mm, circa 1805 Bedeutender, astronomischer Empire Tischregulator - Monatsläufer mit Remontoire (konstante Kraft) und Halbstunden- / Stunden- selbstschlag Geh.: Bronze, vergoldet, rechteckig, profilierte Basis und Oberteil, vierseitig facettverglast, 4 Konsolenfüße, die Ecken verziert mit korin- thischen Säulen, gewölbte Facettverglasung über den Zifferblättern, profilierte Lunetten. Zffbl.: Email, fünf konzentrische Anzeigen: Halbse- kunden, Stunden mit radialen röm. Zahlen, goldene Fünfminutenindizes, Monate und die jeweiligen Monatslängen; vier konzentrische Stahlzeiger, Signatur Robin à Paris, auf der Rückseite Signatur des Emailleurs Baudet. Unterhalb des Hauptzifferblattes zwei Email Hilfszifferblätter: links für die Anzeige der Wochentage, rechts für die Anzeige der Mondphase und des Mondalters in blauem Email. Werk: quadratisches Messing- Vollplatinenwerk, vergoldet, 2 Federhäuser, Schlüsselaufzug, 1 Hammer / 1 Glocke, massive Werkspfeiler, 30-Tage-Werk, Gehwerk mit konstanter Kraft, Schlossscheibe, Stiftenhemmung, Kompensations-Rostpendel mit vergoldeter Pendellinse. Diese Uhr ist abgebildet und beschrieben in: Derek Roberts “Precision Pendulum Clocks - France, Germany, America and Recent Advancements”, Atglen 2004, Seite 36, Abb. 26-10. Jean-Joseph Robin Jean-Joseph Robin war der zweite Sohn von Robert Robin und arbeitete von 1806 bis 1812 als Uhrmacher in der Rue Saint-Honoré in Paris; dann in der Rue de Richelieu von 1815 bis 1825. Jean-Joseph und sein Bruder Nicolas-Robert (1775-1816), Hofuhrmacher am Hofe König Ludwigs XVIII., führten den väterlichen Betrieb bis in das erste Drittel des 19. Jahrhun- derts hinein. Beide Brüder wurden während der Pariser Industrieaus- stellung von 1806 mit einer Silbermedaille Klasse II ausgezeichnet. Der Bericht der Preisrichter der Ausstellung besagt, dass “die Brüder Robin mit Sitz in der Rue Saint-Honoré die folgenden Stücke präsentierten: 1. Eine Uhr mit 13 Zifferblättern, die die Zeit an unterschiedlichen Orten anzeigt; 2. Eine Uhr, die den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang anzeigt sowie die Zeit an unterschiedlichen Orten. Das Preisgericht bemerkte außerdem, dass die Stücke wunderbar gefertigt waren und von großer Kunstfertigkeit zeugten.” Während der Ausstellung von 1819 berichtete das Preisgericht, dass Jean-Joseph Robin “zwei hochfeine astronomische Uhren” vorgestellt hatte und damit “dem ausgezeichneten Ruf entsprach, den sein Vater durch seine zahlreichen bedeutenden Werke erworben hatte”. Jean-Joseph Robin erhielt eine Bronzemedaille und führte so die Tradition der hervorragenden Leistungen seines Vaters fort, die dieser sich in der Zeit des Ancien Régime erschaffen hatte. Robert Robin Der Uhrmacher Robert Robin war eine der herausragenden Figuren französischer Uhrmacherkunst zur Zeit Ludwigs XVI. und konnte seine Künste unter dem Schutz des Königs als “bevorzugter Uhrmacher und Händler des Königs und des Hofes” ausüben. Im Jahr 1777 veröffentlichte Robin einen Artikel über die Eigenschaften von Aufziehvorrichtungen mit dem Titel “Mémoire contenant des réflexions sur les propriétés des remontoirs”. Robert Robins Sinn für Perfektion und außergewöhnliche Handwerkskunst stand dem der führenden französischen Uhrmacher wie Bréguet, Lépine, Janvier und Berthoud in nichts nach und erlaubte es ihm, mit den großen Künstlern seiner Zeit zusammen zu arbeiten; eine seiner Tischuhren mit dem Titel “Vestalinnen tragen das heilige Feuer” schuf er zusammen mit dem Bildhauer Jean-Démosthène Dugourc (1740-1809) und dem Bronze- gießer Pierre-Philippe Thomire (1751-1843); die Uhr ist sowohl in ihrer Ausführung wie in der Ausstattung ein Zeugnis für Robins außerordent- liche Fertigkeiten. Nach der Französischen Revolution war Robert Robin einer der ersten Uhrmacher, die die Dezimalzeit unterstützten. Im Jahr 1793 verfasste er den Artikel mit dem Titel “ Description de la pendule décimale à secondes”; im Jahr II (1793-94) schrieb er die Abhandlungen “Mémoire contenant la description d’un échappement libre, ou à détente” und “Réflexions sur les montres décimales”. Robin konstruierte eine Dezimaluhr, die er der Nationalversammlung zusammen mit einer Beschreibung der astronomischen Uhr mit Zentralse- kunde, Dezimalzeit, Schlagwerk und Aufzug als Geschenk überreichte - die Aufziehvorrichtung war der Mechanimus, dem seine Leidenschaft galt. Die Untersuchung einiger Uhren zeigt, dass der junge Jean-Joseph Robin, der seine Laufbahn im Kaiserreich begann, von seinem Vater hergestellte Werke und Zifferblätter verwendete oder überarbeitete. So besitzt zum Beispiel Robert Robins Regulator in einem Gehäuse aus Glas und Mahagoni mit Kapitell, der sich heute im Musée Lambinet in Versailles (Inv. 947) befindet, einen Aufzug und ein Kompensationspendel mit einem Thermometer mit Email-Zifferblatt. Die Werksplatte trägt die Inschrift: “Pendule à seconde décimale par Robin membre de la Société des inventions et découvertes de France”. Die Uhr ist signiert mit “Pendule de compansation (sic) Par Robin aux Galeries du Louvre A PARIS”. Der außergewöhnliche Ausstellungskatalog “La révolution dans la mesure du temps” hält fest, dass “Zifferblatt und Werk der Uhr verändert wurden um den duodezimalen Stunden und dem Gregorianischen Kalender Rechnung zu tragen; dies wurde nach 1805 von einem von Robins Söhnen ausge- führt, der seinen Namen auf das vorhandene Zifferblatt prägte.” Diese Überarbeitung des von seinem Vater konstruierten Regulators durch Jean-Joseph Robin im Jahre 1805 lässt vermuten, dass auch der vorlie- gende Tischregulator, der auf dasselbe Jahr datiert ist, eventuell genauso mit einem Werk ausgestattet sein könnte, das von Robert Robin selbst oder unter seiner Anleitung hergestellt wurde. Jean-Joseph Robin wurde während der Restauration zum Horloger du Roi et de Madame (Hofuhrmacher des Königs und der Herzogin von Angoulême, der Tochter König Ludwigs XVI.) ernannt - eine Tischuhr mit dem Titel “Le point du jour” (Anbruch der Dämmerung), die Anfang des Jahres 1824 hergestellt wurde, zeugt von der Vollkommenheit und dem Prunk seiner Arbeit. Die Uhr, die sich im Grand Trianon-Palast von Versailles befand, wurde nach einem Entwurf von Jean-Charles-François Leloy (tätig von 1816 bis 1844) angefertigt; die Verzierungen in Achat-Imitation stammen von Riton, die Bronzearbeiten wie der lorbeerbekrönte Apoll und die kanne- lierten Säulen um das Gehäuse wurden von Boquet ausgeführt; Leguay schuf die graziöse Porzellanmalerei. Durch seine außergewöhnliche Qualität und das zweckmäßige Design veranschaulicht unser Tischregulator in großem Maße die Perfektion, die Jean-Joseph Robin in den frühen Jahren seines Schaffens erreichte; er ist zudem ein seltenes Beispiel für die Übertragung von uhrmacherischem Wissen und Können vom Vater auf den Sohn im frühen 19. Jahrhundert. Genau wie die Werke seines berühmten Vaters Robert Robin zeigen auch die Zeitmesser von Jean-Joseph seine Virtuosität bei der Verbindung von technischer Komplexität mit der Schönheit und Harmonie der Epoche. Literatur: - Jean-Dominique Augarde, Les ouvriers du Temps, Genf, 1996 - Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris, 1972 - Tardy, La pendule française de Louis XVI à nos jours, 1967 - Louis Moinet, Nouveau Traité Général Élémentaire, Pratique et Théorique d’orlogerie pour les Usages Civils et Astronomiques suivant les principes des meilleurs auteurs et les progrès récents de la science et de l’art, Paris, 1848. 38537  G: 2, 23, 31 Z: 2 W: 2, 41  60.000 - 75.000 EUR 82.200 - 102.800 USD 636.000 - 795.000 HKD

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